Was ist die Abgeltungssteuer?
Die Abgeltungsteuer ist eine besondere Form der Einkommensteuer auf bestimmte private Kapitalerträge. Seit dem 1. Januar 2009 gilt dafür grundsätzlich ein Steuersatz von 25 Prozent. Zinsen, Dividenden und viele Gewinne aus Wertpapierverkäufen werden nicht einfach mit Ihrem Arbeitseinkommen zusammengerechnet, sondern unterliegen dem gesonderten Tarif. Eine inländische Bank behält die Kapitalertragsteuer regelmäßig direkt ein und führt sie an das Finanzamt ab.
Die Begriffe Kapitalertragsteuer und Abgeltungsteuer beschreiben unterschiedliche Aspekte: Kapitalertragsteuer bezeichnet den Steuerabzug an der Quelle. Abgeltungswirkung bedeutet, dass damit die Einkommensteuer auf diese Erträge grundsätzlich erledigt ist. Das ist jedoch keine ausnahmslose Regel. Nicht versteuerte ausländische Erträge können erklärungspflichtig sein; eine Günstigerprüfung oder eine Überprüfung des Bankabzugs kann eine Steuererklärung sinnvoll machen.
Die verbreitete Schreibweise „Abgeltungssteuer“ und die amtliche Schreibweise „Abgeltungsteuer“ meinen dasselbe. Eine allgemeine sprachliche Reform, die das Wort nach seiner Einführung umbenannt hätte, ist daraus nicht abzuleiten.
Wie hoch ist die Abgeltungssteuer mit Soli und Kirchensteuer?
Ohne Kirchensteuer beträgt der reguläre Steuerabzug 26,375 Prozent des steuerpflichtigen Ertrags. Der Solidaritätszuschlag wird mit 5,5 Prozent auf die Kapitalertragsteuer berechnet:25%×1,055 ergeben 26,375%. Diese Werte gelten nach Berücksichtigung des verfügbaren Sparer-Pauschbetrags und gegebenenfalls verrechenbarer Verluste.
| Kirchensteuerpflicht | Kapitalertragsteuer | Gesamtbelastung einschließlich Soli |
|---|
| Keine | 25% | 26,375% |
| 8% Kirchensteuer | Rund 24,5098% | Rund 27,8186% |
| 9% Kirchensteuer | Rund 24,4499% | Rund 27,9951% |
Bei Kirchensteuerpflicht sinkt die Kapitalertragsteuer rechnerisch etwas, weil die Kirchensteuer im besonderen Tarif berücksichtigt wird. Es wäre deshalb falsch, einfach 25% plus Soli plus Kirchensteuer auf 25% zu addieren. Die Kirchensteuerberechnung erläutert die Formel und die Zuordnung der Kirchensteuersätze.
Beispiel:5.000 € Zinsertrag
Eine alleinstehende Person erzielt 5.000 € regulär steuerpflichtige Zinsen. Ihr Pauschbetrag von 1.000 € ist noch vollständig verfügbar; Kirchensteuer fällt nicht an. Steuerpflichtig sind 4.000 €. Die Kapitalertragsteuer beträgt 1.000 €, der Soli 55 €. Vom gesamten Zinsertrag bleiben 3.945 € nach diesem Steuerabzug übrig. Das Beispiel enthält keine Verlustverrechnung und keine ausländischen Steuern.
Welche Kapitalerträge werden besteuert?
Zu den wichtigen Anwendungsfällen gehören Guthabenzinsen, Gewinnausschüttungen und realisierte Wertpapiergewinne. Der Wert Ihres gesamten Depots wird dagegen nicht jährlich pauschal mit 25 Prozent besteuert. Bei einem Aktienverkauf ist grundsätzlich der steuerlich zu ermittelnde Gewinn maßgeblich, nicht der gesamte Verkaufserlös.
- Zinsen aus Tagesgeld, Festgeld und vielen anderen Guthaben zählen regelmäßig zu den Kapitalerträgen.
- Dividenden werden grundsätzlich bei Zufluss erfasst. Bei ausländischen Aktien kann zusätzliche Quellensteuer entstehen.
- Aktiengewinne aus nach 2008 erworbenen Privatbeständen werden grundsätzlich bei Veräußerung besteuert. Für Altbestände gelten gesonderte Regeln.
- Fonds und ETF können Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne auslösen. Teilfreistellungen sind abhängig von der gesetzlichen Fondskategorie.
- Lebensversicherungen folgen besonderen Regeln, bei denen unter anderem Vertragsbeginn, Laufzeit und Auszahlungsalter eine Rolle spielen.
Physisches Gold und gewöhnliche privat gehaltene Kryptowerte dürfen nicht pauschal in diese Liste eingeordnet werden. Für solche Wirtschaftsgüter können die Regeln privater Veräußerungsgeschäfte gelten. Die Artikel zu Gold und Kryptowährungen erklären die Unterschiede und Grenzen.
Freibetrag nutzen statt unnötig Steuer vorzahlen
Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 2026 grundsätzlich 1.000 € pro Person. Für gemeinsam veranlagte Ehegatten und Lebenspartner sind es zusammen 2.000 €. Er wird nicht für jedes Konto und nicht für jede Bank neu gewährt. Auch ein zweites Depot verdoppelt ihn nicht.
Mit einem Freistellungsauftrag kann die Bank Kapitalerträge innerhalb des zugeteilten Betrags vom Steuerabzug freistellen. Verteilen Sie die Aufträge nach Ihren erwarteten Erträgen und kontrollieren Sie die Gesamtsumme. Nicht ausgeschöpfte Beträge lassen sich unter Beachtung der Regeln anpassen; bereits einbehaltene Steuer kann gegebenenfalls über die Steuererklärung erstattet werden.
Für Menschen mit voraussichtlich so geringen gesamten Einkünften, dass keine Einkommensteuer anfällt, kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung in Betracht kommen. Sie ist nicht mit dem Freistellungsauftrag gleichzusetzen und setzt eine Prüfung der gesamten steuerlichen Situation voraus.
Wann lohnt sich die Steuererklärung für Kapitalerträge?
Der Bankabzug ist praktisch, macht eine Einkommensteuererklärung aber nicht in jedem Fall entbehrlich. Besonders wichtig sind nicht in Deutschland versteuerte ausländische Kapitalerträge, nicht ausgeschöpfte Freibeträge, die bankübergreifende Verlustverrechnung und ein möglicherweise günstigerer persönlicher Einkommensteuertarif.
Auf Antrag kann das Finanzamt bei der Günstigerprüfung feststellen, ob die tarifliche Einkommensteuer auf die einzubeziehenden Kapitalerträge niedriger ist als die besondere Besteuerung. Ein isoliert betrachteter persönlicher Grenzsteuersatz allein ersetzt diese Gesamtberechnung nicht. Der Antrag ist insbesondere bei Rentnern, Studenten oder Jahren mit niedrigem Einkommen einen näheren Blick wert.
Für die Anlage KAP und die Steuererklärung benötigen Sie die zutreffenden Bescheinigungen Ihrer Banken. Bewahren Sie ausländische Abrechnungen und Angaben zur einbehaltenen Quellensteuer auf. Bei Fonds im ausländischen Depot können zusätzliche Angaben erforderlich sein.
Fondsbesteuerung: Was Anfang 2027 wichtig wird
Bei Investmentfonds kann eine Vorabpauschale anfallen, obwohl keine Anteile verkauft wurden. Sie ist keine zusätzliche Steuerart, sondern ein nach dem Investmentsteuergesetz ermittelter Investmentertrag. Ausschüttungen und die Wertentwicklung begrenzen die Berechnung; beim späteren Verkauf werden bereits angesetzte Vorabpauschalen berücksichtigt.
Für das Berechnungsjahr 2026 hat das Bundesfinanzministerium einen Basiszins von 3,20% veröffentlicht. Der rechnerische Basisertrag verwendet davon 70%, also 2,24% des maßgeblichen Anfangswerts, bevor weitere Begrenzungen und Ausschüttungen berücksichtigt werden. Die Vorabpauschale für 2026 gilt am 4. Januar 2027 als zugeflossen. Dieser Basiszins ist keine Prognose für das Berechnungsjahr 2027.
Die Vorabpauschalen-Erklärung mit Beispielen zeigt, wie Wertentwicklung, Ausschüttungen und Teilfreistellung zusammenwirken. Eine pauschale Aussage, thesaurierende ETF blieben bis zum Verkauf immer steuerfrei, ist nicht richtig.
Was sich 2009 geändert hat – und warum alte Tipps problematisch sein können
Mit der Einführung der Abgeltungsteuer wurde die Besteuerung privater Kapitalanlagen grundlegend verändert. Die frühere allgemeine einjährige Spekulationsfrist für privat gehaltene Wertpapiere entfiel bei neu angeschafften Beständen. Dividendenerträge unterliegen im Privatvermögen grundsätzlich nicht mehr dem früheren Halbeinkünfteverfahren.
Die praktische Folge: Lange Haltedauer allein macht einen Gewinn aus neu erworbenen Aktien nicht steuerfrei. Umgekehrt sind alte pauschale Empfehlungen, vor 2009 noch schnell einen bestimmten Fonds oder eine Versicherung zu kaufen, heute keine Handlungsanleitung mehr. Bei Altbeständen müssen Erwerbsdatum und Anlageart getrennt geprüft werden. Bei Investmentfonds ist zusätzlich die Reform zum 1. Januar 2018 relevant.
Steuern sind außerdem nur ein Teil der Renditerechnung. Hohe laufende Kosten, Ausgabeaufschläge, unnötige Transaktionen oder unpassende Risiken können einen vermeintlichen Steuervorteil aufzehren. Die damaligen Werbeversprechen über „steuerfreie Lösungen“ ersetzen daher keinen Vergleich der tatsächlichen Kosten und Leistungen. Die Artikel zur Einführung 2009, zu Fondsaltbeständen und zur Lebensversicherung trennen historische und aktuelle Regeln.
Depotkosten und Steuern gemeinsam im Blick behalten
Ein günstigeres Depot ändert nicht automatisch Ihren gesetzlichen Steuersatz. Es kann aber die Kosten Ihrer Anlagestrategie verändern. Prüfen Sie deshalb nicht nur die Depotführungsgebühr, sondern auch Orderentgelte, Sparplanausführungen, Handelsplätze, Fremdkosten und verfügbare Wertpapiere.
Ein inländischer steuerabführender Broker und ein ausländischer Broker ohne deutschen Steuerabzug können unterschiedlichen Erklärungsaufwand verursachen. Ein Depotübertrag kann Anschaffungsdaten und Verlusttöpfe betreffen. Der Depotvergleich hilft bei der Angebotsauswahl; die Artikel zu Zweitdepot und Depotübertrag erläutern die steuerlichen Fragen.
Fragen zu Abgeltungssteuer 2026
Welcher Gesamtsteuersatz gilt 2026 für Kapitalerträge ohne Kirchensteuer?+
Die reguläre Abgeltungssteuer beträgt 25 Prozent des steuerpflichtigen Kapitalertrags. Mit 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf diese Steuer ergibt sich ohne Kirchensteuer eine Gesamtbelastung von 26,375 Prozent. Verfügbare Freibeträge und verrechenbare Verluste können die Bemessungsgrundlage reduzieren.
Wie viel Kapitalertrag ist 2026 steuerfrei?+
Der Sparer-Pauschbetrag beträgt grundsätzlich 1.000 Euro pro Person und Kalenderjahr. Zusammen veranlagte Ehegatten oder Lebenspartner haben zusammen 2.000 Euro. Die Beträge gelten insgesamt über alle Banken hinweg, nicht pro Konto.
Muss ich trotz Abgeltungssteuer eine Steuererklärung abgeben?+
Nicht versteuerte ausländische Kapitalerträge können eine Erklärungspflicht auslösen. Auch bei bereits versteuerten Erträgen kann eine Steuererklärung sinnvoll sein, etwa für eine Günstigerprüfung, nicht genutzte Freibeträge oder eine bankübergreifende Verlustverrechnung.
Fällt auf ETF auch ohne Verkauf Abgeltungssteuer an?+
Bei ETF können Ausschüttungen und eine Vorabpauschale steuerlich erfasst werden, auch ohne Verkauf von Anteilen. Für das Berechnungsjahr 2026 beträgt der veröffentlichte Basiszins 3,20 Prozent; die Vorabpauschale für 2026 gilt am 4. Januar 2027 als zugeflossen. Teilfreistellungen und Freibeträge sind gesondert zu berücksichtigen.