Nicht das Tagesgeldguthaben, sondern die Zinsen werden besteuert
Die Einzahlung auf ein Tagesgeldkonto ist für sich genommen kein steuerpflichtiger Kapitalertrag. Besteuert werden die Zinsen, die Ihnen aus der Geldanlage zufließen. Ein Guthaben von 20.000 Euro führt daher nicht zu einer Steuer von 25 Prozent auf 20.000 Euro. Bei angenommenen dreiProzent Jahreszins entstehen über ein volles Jahr 600 Euro Bruttozinsen. Erst dieser Ertrag gehört in die steuerliche Betrachtung.
Für eine Einzelperson mit sonst keinen Kapitalerträgen und vollständig verfügbarem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro kann dieses Beispiel steuerfrei bleiben. Haben Sie den Pauschbetrag bereits durch Dividenden oder Depotgewinne ausgeschöpft, werden die 600 Euro dagegen grundsätzlich steuerpflichtig. Die Betrachtung muss deshalb alle Konten und Depots einschließen.
Beispiele für Tagesgeld nach Steuern
| Annahme | Bruttozinsen | Verfügbarer Pauschbetrag | Steuer inklusive Soli | Nettozinsen |
|---|---|---|---|---|
| 20.000 € zu 3 % für ein Jahr | 600,00 € | 1.000 € | 0,00 € | 600,00 € |
| 50.000 € zu 3 % für ein Jahr | 1.500,00 € | 1.000 € | 131,88 € | 1.368,12 € |
| 50.000 € zu 3 % für ein Jahr | 1.500,00 € | 0 € | 395,63 € | 1.104,37 € |
Die Tabelle zeigt gerundete Modellrechnungen ohne Kirchensteuer, ohne Verlustverrechnung und ohne Zinseszinseffekt. Der angenommene Zinssatz ist kein geprüftes aktuelles Angebot. Bei der konkreten Bankabrechnung können Rundungen und einzelne unterjährige Gutschriften zu Centabweichungen führen.
Der Zeitpunkt der Zinsgutschrift bestimmt das Steuerjahr
Für privat gehaltenes Tagesgeld ist grundsätzlich das Jahr des steuerlichen Zuflusses relevant. Zinsen für eine Anlageperiode können deshalb einem anderen Kalenderjahr zugehören als dem Jahr, in dem das Geld ursprünglich eingezahlt wurde. Wird eine Zinsgutschrift erst im neuen Jahr verfügbar, kann sie den Pauschbetrag dieses neuen Jahres verbrauchen. Prüfen Sie dafür die Abrechnung und die konkrete Gutschrift statt nur den Werbezeitraum.
Bei monatlicher oder quartalsweiser Zinszahlung entstehen mehrere Zuflusszeitpunkte. Wiederangelegte Zinsen verlieren ihren Ertragscharakter nicht dadurch, dass Sie sie auf dem Konto liegen lassen. Sie können wiederum verzinst werden. Der Zinseszinseffekt und eine mögliche Veränderung des Zinssatzes machen eine lineare Jahresrechnung bei echten Angeboten nur zu einer Näherung.
Freistellungsauftrag passend zum Tagesgeld planen
Bei einer deutschen Bank verhindert ein ausreichender Freistellungsauftrag den Abzug innerhalb des verfügbaren Betrags. Berücksichtigen Sie andere Banken und die voraussichtlichen Jahreserträge. Wer nach einem Aktionszinswechsel ein altes Konto behält, sollte dessen Auftrag nicht vergessen. Viele kleine ungenutzte Aufträge können die Freistellung an der tatsächlich ertragreichen Stelle blockieren.
Ohne Auftrag kann der Steuerabzug zunächst höher sein als die endgültige persönliche Belastung. Das bedeutet nicht, dass der Pauschbetrag verloren ist. Eine zulässige bankinterne Korrektur oder die Einkommensteuererklärung kann zu viel gezahlte Steuer zurückbringen. Bei sehr niedrigem Gesamteinkommen kommen außerdem eine NV-Bescheinigung oder die Günstigerprüfung in Betracht.
Ausländische Tagesgeldbank: Deutscher Steuerabzug ist nicht garantiert
Eine ausländische Bank oder Anlageplattform führt nicht zwangsläufig deutsche Kapitalertragsteuer ab. Entscheidend sind die konkrete Zahlstelle und deren steuerliche Abwicklung, nicht allein die Sprache der Website oder eine deutsche Vermittlungsplattform. Wenn kein deutscher Steuerabzug stattfindet, müssen steuerpflichtige Zinsen im Regelfall in die deutsche Einkommensteuererklärung aufgenommen werden.
Zusätzlich kann der ausländische Staat eine Quellensteuer vorsehen. Teilweise lässt sie sich mit einer Ansässigkeitsbescheinigung bereits vor Auszahlung reduzieren oder vermeiden. Eine verbleibende zulässige Quellensteuer kann unter den gesetzlichen und abkommensrechtlichen Grenzen angerechnet werden. Ein nicht in Anspruch genommener Erstattungsanspruch im Ausland wird aber nicht beliebig durch eine höhere deutsche Anrechnung ersetzt.
Gemeinschaftskonto, Kinderkonto und betriebliches Guthaben
Bei einem Gemeinschaftskonto ist zu klären, wem die Zinsen steuerlich zuzurechnen sind und welche Freistellung zulässig erteilt wurde. Ein zweiter Kontoinhaber schafft nicht automatisch einen weiteren Pauschbetrag zusätzlich zu den persönlichen Ansprüchen. Für zusammen veranlagte Partner ist der gemeinsame Betrag von 2.000 Euro maßgeblich.
Bei einem Kinderkonto müssen Vermögen und Erträge tatsächlich dem Kind gehören. Eine Kontoeröffnung allein verschiebt die wirtschaftliche Eigentümerstellung nicht beliebig. Bei betrieblichen Tagesgeldanlagen gelten wiederum die Regeln der jeweiligen betrieblichen Einkunftsart; der private Sparer-Pauschbetrag ist dort nicht einfach zusätzlich anwendbar.
Was Sie für die Jahreskontrolle aufbewahren
- Zinsabrechnungen mit Gutschriftzeitpunkten und Bruttoerträgen.
- Genutzte Freistellung und etwaige Steuerabzüge einschließlich Soli und Kirchensteuer.
- Jahressteuerbescheinigung der deutschen Bank oder Ertragsaufstellung des ausländischen Instituts.
- Nachweise über ausländische Quellensteuer und erteilte Ansässigkeitsbescheinigungen.
Vergleichen Sie Tagesgeldangebote wirtschaftlich anhand der Bedingungen vor und nach einem Aktionszeitraum. Die Steuer macht aus einem schwachen Zinssatz keinen guten. Mit dem Abgeltungssteuer-Rechner können Sie einen vereinfachten Nettoertrag berechnen; den passenden Pauschbetrag wählen Sie anhand Ihrer gesamten Jahresplanung.
Fragen zu Abgeltungssteuer auf Tagesgeld: Was von den Zinsen bleibt
Wie hoch ist die Abgeltungsteuer auf Tagesgeldzinsen?
Steuerpflichtige private Tagesgeldzinsen unterliegen grundsätzlich 25 Prozent Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Ohne Kirchensteuer ergibt sich normalerweise eine Belastung von 26,375 Prozent auf den nicht freigestellten Ertrag.
Wie viel Tagesgeld ist steuerfrei?
Es gibt keinen allgemeinen steuerfreien Höchstkontostand. Entscheidend sind die Zinsen und andere Kapitalerträge. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt grundsätzlich 1.000 Euro pro Person beziehungsweise 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung.
Muss ich Tagesgeldzinsen trotz Freistellungsauftrag versteuern?
Soweit der wirksame und noch verfügbare Freistellungsauftrag die Zinsen abdeckt, behält die deutsche Bank keine Kapitalertragsteuer ein. Erträge oberhalb des verfügbaren Gesamtbetrags können steuerpflichtig sein.
Welches Steuerjahr gilt für Tagesgeldzinsen?
Grundsätzlich zählt bei privaten Tagesgeldzinsen der steuerliche Zufluss. Maßgeblich ist daher die konkrete Zinsgutschrift beziehungsweise Verfügbarkeit und nicht allein der Beginn oder das Ende des beworbenen Anlagezeitraums.
Sind Tagesgeldzinsen einer ausländischen Bank steuerfrei?
Eine ausländische Bankverbindung macht Tagesgeldzinsen für in Deutschland Steuerpflichtige nicht automatisch steuerfrei. Findet kein deutscher Steuerabzug statt, müssen steuerpflichtige Erträge grundsätzlich in der deutschen Einkommensteuererklärung erfasst werden.
