Auf welche Zinsen Kapitalertragsteuer anfällt
Typische steuerpflichtige Zinserträge entstehen auf Tagesgeld, Festgeld, Sparbüchern, verzinsten Verrechnungskonten und aus Anleihen. Auch Zinsen aus privaten Darlehensforderungen können Kapitalerträge sein. Der übliche besondere Einkommensteuersatz beträgt 25%; hinzu kommen 5,5% Solidaritätszuschlag auf diese Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Wer 10.000 € anlegt und dafür 300 € Zinsen erhält, versteuert also nicht 10.300 €, sondern grundsätzlich die 300 € Ertrag nach den anwendbaren Entlastungen. Eine Auszahlung des ursprünglich angelegten Kapitals ist für sich kein Zinsertrag. Bei Wertpapieren sind laufende Zinsen, Stückzinsen und Kursgewinne getrennt zu betrachten.
Wie hoch ist der steuerfreie Zinsbetrag?
Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € je Person und Jahr. Zusammen veranlagte Ehegatten oder Lebenspartner können 2.000 € nutzen. Er gilt gemeinsam für Zinsen, Dividenden und andere begünstigte Kapitalerträge – nicht als separater Zinsfreibetrag zusätzlich zum Aktienfreibetrag.
Bei einer deutschen Bank lässt sich der freie Betrag durch einen Freistellungsauftrag direkt berücksichtigen. Andernfalls kann zunächst Steuer einbehalten werden, obwohl der Pauschbetrag insgesamt noch verfügbar ist. Eine spätere Überprüfung im laufenden Bankjahr oder über die Steuererklärung kann den Abzug berichtigen.
| Zins pro Jahr | Guthaben für rechnerisch 1.000 € Jahreszins | Annahme |
|---|---|---|
| 2% | 50.000 € | Ganzjährig unveränderter Zins und Kontostand |
| 3% | rund 33.333,33 € | Keine anderen Kapitalerträge |
| 4% | 25.000 € | Pauschbetrag vollständig verfügbar |
Dies sind reine Rechenbeispiele, keine aktuellen Bankangebote. Staffelzinsen, Aktionszeiträume, Ein- und Auszahlungen sowie Zinseszinsen können den tatsächlichen Jahresertrag verändern. Bereits 100 € anderweitige Dividenden verringern den verfügbaren Pauschbetrag für Zinsen entsprechend.
Das Zuflussjahr entscheidet
Zinsen werden regelmäßig in dem Kalenderjahr erfasst, in dem sie Ihnen zufließen. Das ist bei vielen Konten die tatsächliche Gutschrift mit Verfügungsmöglichkeit. Eine bloße Anzeige bereits aufgelaufener, aber noch nicht fälliger Zinsen muss noch kein steuerlicher Zufluss sein.
Bei endfälligem Festgeld können sich mehrere Jahre Zinsansammlung im Auszahlungsjahr bündeln. Einjähriger Pauschbetrag aus den Vorjahren lässt sich dann nicht nachträglich aufteilen. Wird dagegen jährlich frei verfügbar gutgeschrieben, entstehen typischerweise jährliche Zuflüsse. Entscheidend sind die Vertragsbedingungen und die tatsächliche Verfügungsmöglichkeit, nicht allein das Wort „jährlich“ in einer Renditeanzeige.
Endfälliges Festgeld und Pauschbetrag
Eine Anlage wirft insgesamt 2.400 € Zinsen ab, die erst im dritten Jahr vollständig zufließen. Ist bei einer alleinstehenden Person in diesem Jahr 1.000 € Pauschbetrag frei, bleiben 1.400 € steuerpflichtig. Ohne Kirchensteuer und ohne Verluste fallen 369,25 € Einkommensteuer einschließlich Soli an. Die in den zwei Vorjahren ungenutzten Pauschbeträge werden nicht nachgeholt.
Nettozinsen ohne und mit Freibetrag berechnen
Ohne Kirchensteuer und weitere Besonderheiten verbleiben von voll steuerpflichtigen Zinsen 73,625%. Aus 1.000 € steuerpflichtigem Zins werden damit 736,25 € netto. Sind 500 € Pauschbetrag frei, werden bei 1.000 € Zinsen nur 500 € besteuert. Die Steuer beträgt dann 131,875 €, sodass rechnerisch 868,125 € verbleiben.
Kirchensteuer verändert die Berechnung, weil ihre Entlastung bereits in der Einkommensteuerformel steckt. Bei 9% Kirchensteuer beträgt die Gesamtbelastung ungefähr 27,9951% des steuerpflichtigen Ertrags. Der Abgeltungssteuer-Rechner zeigt den Rechenweg mit Ihren Eingaben.
Ausländische Bank bedeutet nicht steuerfreie Zinsen
Bei einem ausländischen Konto ohne deutschen Steuerabzug müssen die Zinsen grundsätzlich in der deutschen Steuererklärung erklärt werden, wenn Sie hier steuerpflichtig sind. Der deutsche Pauschbetrag kann steuerlich weiterhin berücksichtigt werden. Ein deutscher Freistellungsauftrag lässt sich aber nicht automatisch bei jedem ausländischen Institut einsetzen.
Hat der Quellenstaat Steuer einbehalten, ist zu prüfen, ob sie nach dem einschlägigen Doppelbesteuerungsabkommen überhaupt erhoben werden durfte und welcher Teil in Deutschland anrechenbar ist. Erstattungsfähige ausländische Steuer wird nicht einfach vollständig von der deutschen Steuer übernommen. Informationen zum Vorgehen enthält der Ratgeber ausländische Kapitalerträge.
Privatdarlehen und Sonderfälle
Zinsen aus einem Privatdarlehen unterliegen nicht immer demselben Abgeltungsteuertarif wie Tagesgeld. Bei bestimmten nahestehenden Personen, Gesellschafterdarlehen und weiteren gesetzlich geregelten Fällen kann die tarifliche Einkommensteuer gelten. Dass es sich um einen Vertrag zwischen Familienmitgliedern handelt, entscheidet die Frage noch nicht allein; die gesetzlichen Voraussetzungen sind im konkreten Fall zu prüfen.
Bei geringem Gesamteinkommen kann eine Günstigerprüfung den Bankabzug mindern. Wer voraussichtlich keine Einkommensteuer schuldet, prüft eine NV-Bescheinigung. Rentenalter, Arbeitslosigkeit oder Studentenstatus schaffen für sich jedoch keinen zusätzlichen, frei nutzbaren Zinsfreibetrag.
Bewahren Sie Jahressteuerbescheinigungen und Zinsabrechnungen auf. Für konkrete Anlageformen führen die Ratgeber zu Tagesgeld und Festgeld die jeweiligen Besonderheiten weiter aus.
Fragen zu Steuern auf Zinsen: wie viel netto auf Ihrem Konto bleibt
Wie viele Zinsen sind 2026 steuerfrei?
Über den Sparer-Pauschbetrag bleiben grundsätzlich 1.000 € Kapitalerträge pro Person und Jahr beziehungsweise 2.000 € bei Zusammenveranlagung steuerfrei. Dieser Betrag umfasst auch Dividenden und andere Kapitalerträge.
Wird die Zinssteuer auf mein gesamtes Sparguthaben berechnet?
Die Steuer betrifft den steuerpflichtigen Zinsertrag und nicht das eingezahlte Guthaben. Bei 10.000 € Guthaben und 300 € Zinsen sind grundsätzlich die 300 € Ertrag vor den anwendbaren Freibeträgen maßgeblich.
In welchem Jahr muss ich Festgeldzinsen versteuern?
Regelmäßig im Jahr ihres steuerlichen Zuflusses. Bei endfälliger Auszahlung kann dies erst am Laufzeitende sein. Jährliche verfügbare Gutschriften sind davon zu unterscheiden.
Sind Zinsen bei einer ausländischen Bank steuerfrei?
Ein ausländisches Konto beseitigt die deutsche Steuerpflicht nicht. Fehlt deutscher Bankabzug, sind entsprechende Zinsen grundsätzlich über die Einkommensteuererklärung zu erfassen.
Wie viel bleibt von 1.000 € vollständig steuerpflichtigen Zinsen?
Ohne Kirchensteuer und ohne weitere Besonderheiten entfallen 263,75 € auf Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag. Netto bleiben 736,25 €. Ein noch verfügbarer Pauschbetrag verbessert das Ergebnis.
